Sobald ein Blog eine gewisse Qualität erreicht hat wird dessen Besitzer immer wieder mit Anfragen für Linktausch konfrontiert, die mehr oder weniger geschickt gestaltet sind. Die ganz plumpen mit Rechtschreib- und Grammatikfehlern, die meistens sogar automatisiert verschickt werden und nicht einmal eine persönliche Ansprache enthalten, sind zwar ärgerlich aber die wenigsten werden hier reagieren und darauf hereinfallen.

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Aber auch viele Anfragen, die auf den ersten Blick seriös wirken, sind es überhaupt nicht und absolut nicht zu unserem Vorteil. Auf der anderen Seite sitzt oft ein SEO, der sich für äußerst clever hält, sich drüber freut, womöglich einen ahnungslosen Blogger ausfindig gemacht zu haben, dem er einen angeblich super Deal aufschwatzen kann.

Dein super Deal mit dem Linktausch- SEO…

Im Grunde wollen sie nur eines: einen fetten Link von deinem gut gepflegten Blog und das meistens auf ihre absolut thematisch zu deinem Blog unpassende Seite, mit der sie ordentlich Kohle verdienen. Und lachen sich danach ins Fäustchen, weil du so doof gewesen bist. Aber wie schaffen sie das?

  1. Sie erzählen dir wie toll deine Seite ist und was du für gute Ideen hast. Wer freut sich nicht über ein nettes Kompliment?
  2. Natürlich sind auch sie ganz toll. Meist lassen sie raushängen, dass sie SEO sind und Gründer von sowieso. Bist du da nicht beeindruckt? Und der will ausgerechnet was von dir, wo du doch nur ein kleiner Wurm bist?
  3. Stellt dir vor, ausgerechnet ER will mit DIR Netzwerken!
  4. Obendrauf bietet er dir genialen Content, der garantiert deine Leser vom Hocker hauen wird.
  5. Und nicht nur das, denn er hat neben Seite sowieso, noch ein paar Dutzend andere, von wo aus er dich gerne verlinken wird. Darfst dir sogar raussuchen, welche du haben willst. Wie großzügig!
  6. Und wenn er dann noch zu dir sagt: ich bring dich in die Google News. Dann denkst du dir: das ist der Oberhammer! Wer kann denn da noch widerstehen?

… ist oft nichts anderes als die reinste Veräppelung

So oder so ähnlich läuft es ab, wenn ein ausgefuchster SEO günstig einen hochwertigen Link ergattern will. Und meistens funktioniert das auch, denn sie suchen sich bevorzugt Personen aus, die das Ganze nicht durchblicken und sich am Ende mit dem Deal auch noch wohl fühlen. Der einzige, der etwas davon hat, ist am Ende der SEO selbst. Denn:

  1. Der tolle Content, den er dir verspricht, den will  meistens keiner lesen. Den besten Content in deinem Blog lieferst immer noch du selbst.
  2. Die vielen anderen Seiten, die der schlaue SEO dir präsentiert sind sogenannte Satelliten-Seiten, die lediglich dem Linktausch dienen. Anstatt von der ihm wichtigen Seite, mit der er das Geld verdient, Links auf die Linktauschpartner zu setzen, nutzt er hierfür die Satelliten-Seiten und diese Links sind nicht gerade wertvoll und Traffic wird von dort aus auch kaum einer zu dir kommen.
  3. Oft versuchen Sie einen mit einer Google-News Seite zu ködern. Das sind Seiten, die aktuelle Nachrichten bieten und sich strikt an den Vorgaben halten, die Google für Seiten auferlegt, die in den Google News aufgenommen werden. Aber in der Regel sind auch diese Seiten nichts anderes als Satelliten-Seiten für den Linktausch und werden auch dafür genutzt, Traffic auf die wichtigen Seiten zu leiten. Aber auch wenn du da einen Artikel bekommen solltest mit Link auf deine Seite wirst du vermutlich nicht viel davon haben. Dazu müsste es sich bei der News-Seite um eine handeln, die thematisch passend zu deinem Blog ist und nicht nur für Linktauschzwecke erstellt wurde.
  4. Solche Satelliten-Seiten sind von Google gar nicht erwünscht und unter Umständen sogar abgestraft wie man hier in diesem Beispiel sehen kann. Die Grafik zeigt den Verlauf der Anzahl rankenden Keywords mit dem SEO Tool von Sistrix analysiert für solch eine Satelliten-Seite. Und das ist kein Einzelfall. Google Panda und Pinguin haben hier vermutlich zugeschlagen.

    News-Seite Keywords Verlauf

    Beispiel: Verlauf der Anzahl rankenden Keywords für eine Pseudo-News-Seite

  5. Oft drückt sich der SEO in der Mail sehr ungenau aus und es wird einem suggeriert, eine bestimmte Sache zu bekommen. Im Verlauf des Tausches stellt sich dann heraus, dass etwas ganz anderes gemeint war, was man aber nur mit Zusatzwissen hätte verstehen können. Dann ist es aber schon zu spät für einen Rückzieher.
    Ein kleines Beispiel, wo ich mich selbst darüber geärgert habe (vor längerer Zeit als ich noch naiv war ;-)): Eine größere Plattform bot mir einen Gastbeitrag an gegen einen Link. Das Thema hatte einigermaßen gepasst und in der nächsten Mail wurde sogar ein Content Link versprochen, denn wie der schlaue SEO sich ausdrückte, Contentlinks sind ja bekanntlich besser. Stimmt auch. Habe mich nochmals gefreut. In der nächsten Mail wurde daraus ein Link in einem Artikel aus „unserem Webworker Blog“. Perfekt dachte ich mir, wie ausgemacht, ein Link aus eurem Blog. Was ich nicht wissen konnte war, dass es ich bei besagtem Webworker Blog nicht um den Blog des Portals handelte, sondern um einen Satelliten-Blog. Damals war mir die Existenz solcher Satelliten-Seiten nicht bewusst, weswegen ich gar nicht auf den Gedanken kam, das es sich um eine ganz andere ziemlich wertlose Seite handelte. Klassischer Fall von Blogger-Verarschung.

Fazit: Bei Linktauschanfragen sollte man sich nicht blenden lassen von den tollen Dingen, die einem versprochen werden. Viele zwar gut verpackte Angebote sind nicht fair, das ist meine persönliche Erfahrung. Wenn schon Linktausch, dann sollte man ganz genau prüfen, was man bekommt.

P.S.: Es möge sich kein schlauer SEO persönlich angegriffen fühlen. Der Artikel entstand aufgrund einer über längere Zeit durch eine größere Anzahl an Linktauschanfragen angestaute Wut und nicht aufgrund einer ganz bestimmten Anfrage 😉

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