Heute habe ich ein schönes Interview für euch mit einem Marketing-Experten aus meiner Heimat Nürnberg – Stefan Frisch von machtfrisch.de. Mit Tipps für Webdesigner und Gründer, dem kostenlosen E-Book „25 Marketing-Tipps für Selbstständige“ und Stefan sagt: „WordPress ist klasse“ 🙂

google-tag-manager-banner-772x250
Unser Tipp: optimiere deinen Blog mit dem kostenlosen WordPress Google Tag Manager Plugin.

Stefan, ich bin auf dich auf der Start-Messe in Nürnberg aufmerksam geworden, die im Rahmen der Consumenta 2013 stattgefunden hat. Du hast dort gleich mehrere Vorträge gehalten und bist mir als Marketing-Experte in Erinnerung geblieben.
Wie lange bist du denn schon im Bereich Marketing tätig? Wie kamst du dazu? Und wie sieht der Arbeitsalltag eines Marketing-Experten aus?

Ich bin nun seit etwa 18 Jahren im Marketing tätig. Begonnen habe ich in einem kleinen Verlag. Dort war ich neben dem Vertrieb eben auch für´s Marketing zuständig und habe schnell gemerkt, dass da nicht wirklich Etat dafür da war… So kam ich dann schließlich auf das Thema Guerilla-Marketing, das ja einer meiner Schwerpunkte seitdem ist: Viel Marketing auch ohne großen Werbe-Etat… Und dann fragten mich Bekannte, Nachbarn, Freunde, ob ich ihnen nicht auch ein paar Tipps für ihre Werbung geben könnte – und bumms… machte ich die ersten Seminare!

Wie der Alltag aussieht? Naja – anders als in einer Werbeagentur, denn ich bin ja nicht derjenige, der das Ganze umsetzt… Ich sehe mich eher als strategischer Berater, der mit den Kunden die Strategien erarbeitet. Also eher so als Wegweiser: Wo geht´s hin? Und mit welchen Verkehrsmitteln? Übersetzt heißt das also: Was wollen wir erreichen und welche Marketingkanäle nutzen wir dazu am effektivsten aber auch am effizientesten?

Und faktisch bedeutet das dann: Viel am Tisch sitzen und nachdenken, kreative Ideen entwickeln und viel Kaffee trinken… Die Höhepunkte des Arbeitsalltags sind dann meist die „Kreativ-Sitzungen“, die ich mit Kunden veranstalte, um mal das Hirn frei zu kriegen und innovative Gedanken zu entfesseln. Da passieren oft tolle Sachen, wenn die richtige Energie freigesetzt wird!

Deshalb arbeite ich auch sonst viel im Workshop-Format: Weil da spannende Prozesse losgetreten werden und plötzlich tolle Ideen entstehen.

Stefan Frisch von "Marketing macht Frisch!"

Stefan Frisch von machtfrisch.de

In einem der Vorträge auf der Consumenta ging es um Guerilla-Marketing. Für mich ein sehr spannender und interessanter Vortrag, aus dem ich einiges gelernt habe. Erklärst du bitte meinen Lesern kurz, um was es sich dabei handelt?

Der Name stammt von den Guerilla-Kämpfern in Südamerika, die ja mit geringen Mitteln versuchen mussten, gegen die Diktatoren zu kämpfen. Diese Grundkonstellation wurde übertragen: Die kleinen Unternehmen mit geringem Marketing-Etat müssen ja irgendwie gegen die großen Firmen mit ihren riesigen Marketing-Etats ankommen um zu überleben – und dafür stellt der Guerilla-Marketing-Ansatz die geeigneten Strategien zur Verfügung. Und auch wenn das Wort erstmal recht kriegerisch klingen mag: In der Realität hat Guerilla-Marketing nichts mit Gewalt und Krieg zu tun, sondern meistens mit Humor und Ideen.

Der Grundgedanke beim Guerilla-Marketing ist:Wie schaffe ich es, Aufmerksamkeit auf mich (als kleines Unternehmen) zu lenken? Und das schafft man oft mit lustigen und frechen Aktionen oder Events.  Im Idealfall berichtet dann die lokale Presse darüber und heutzutage vielleicht auch die Passanten in facebook… Schon hat man eine Öffentlichkeit erzeugt.

Nennst du uns drei konkrete Guerilla-Marketing-Beispiele, die besonders gut funktioniert haben? Vielleicht Aktionen von größeren Unternehmen, die jeder kennt?

Hmmm… lass mich mal nachdenken…. Naja, da gibt es zum Beispiel die Aktion damals von Jamba, die einfach einen nagelneuen Porsche an einen Kran gehängt haben und dann die Leute darum baten, per SMS abzustimmen, ob der Porsche fallen gelassen werden soll oder nicht… Ratzfatz waren da fast eine Million SMS unterwegs – also richtig viel Aufmerksamkeit… Obwohl das in meinen Augen nicht wirklich lupenreines Guerilla-Marketing ist, denn so ein Porsche kostet ja eine ganze Stange Geld…

Oder die berühmte Freeze-Aktion in der Grand Central Station in New York: Die Telekom hatte damals Schauspieler engagiert, die zu hunderten einfach starr standen, als wären sie eingefroren. Das hat abertausende Pendler ziemlich irritiert und für große Aufmerksamkeit gesorgt. Vor allem aber die gedrehten Videos wurden zu Selbstläufern im Internet, da gab es hunderttausendfaches Teilen und Weiterleiten, also schöne virale Effekte.

Wir haben uns diesen Grundgedanken für eine Aktion hier in Fürth auch mal zunutze gemacht und mit 60 Jugendlichen eine solche Freeze-Aktion gemacht. Und damit 2 Zeitungsartikel, einen Fernsehbericht und drei YouTube-Videos mit jeweils mehreren Tausend Zuschauern bekommen. Das war wirklich viel Marketing für wenig Geld, denn das hat uns gerade mal 60 Portionen Eis für die Jugendlichen gekostet…

Guerilla Marketing

So kann Guerilla Marketing aussehen – (c) Stefan Frisch

Wie könnte denn Guerilla Marketing speziell für Webdesigner aussehen? Lass doch mal für uns deiner Kreativität freien Lauf 🙂

Na toll… Das sind ja die Fragen, die ich ganz besonders liebe (Achtung: Ironieschalter steht auf AN!)! Das höre ich ja wirklich oft: „Ach, Stefan, schüttel doch mal eine Idee aus dem Ärmel. Du hast doch immer so gute Ideen!“ Aber na gut…

Also… Ich fange mal laut an zu Denken: Was machen Webdesigner? Webseiten. da würde ich mal damit spielen, dass ich irgendwie das Web mit typischen Bedienelementen in die Realität hole…. Also vielleicht … na, wie wär´s mit Fortschrittsbalken à  la Windows auf den Bustafeln oder U-Bahn-Tafeln…. So nach dem Motto: „45%… Ihre nächste U-Bahn kommt gleich“. Natürlich ans Design der jeweiligen Tafel angepasst, so dass es erstmal wie gewollt aussieht. Und natürlich mit einem Hinweis gebranded: „Das war Design im Alltag. wenn´s um Design im Internet geht, dann am Besten zu…“ oder so ähnlich…

Oder wie wäre es denn mit großen, durchsichtigen Aufklebern mit Mauszeigern drauf, die man auf Schaufenster kleben kann und auf denen geschrieben steht: „Das Design für Ihren Online-Shop bekommen sie bei uns!“. Das könnte man dann auf alle Schaufenster der Einzelhändler in der Fußgängerzone kleben um sie dafür zu gewinnen, eine Webseite programmieren zu lassen…

Oder noch eine Idee: Man fertigt Aufkleber an, die auf Autoscheiben passen und die aussehen wie Windows-Fenster. In diesen Fenstern ist dann im Online-Stil ein Text zu lesen, so à  la „Neues Design für´s Internet gibt´s bei uns..“. Und diese Aufkleber pappe ich dann auf Autoscheiben auf einem Parkplatz auf einer B2B-Messe, wo ich also weiß, dass da alles Unternehmer sind, die auf der Messe sind…

Naja – das waren jetzt mal 3 Ideen so ganz aus der Hüfte geschossen…. Aber Du siehst schon, in welche Richtung sowas gehen könnte… Wichtig ist eigentlich, dass man sich die Freiheit nimmt, quer zu denken, nebenraus zu denken, was anders zu machen als alle anderen…!

Wechseln wir kurz zum Thema Online-Marketing. Ich stelle immer wieder fest, dass vor allem kleine Unternehmen noch weit davon entfernt sind, Marketing im Internet zu betreiben. Dass eine Webseite sinnvoll ist, sehen die meisten noch ein. Aber mit den Begriffen Social Media, Corporate Blogs, Suchmaschinenoptimierung und Co. können viele noch gar nichts anfangen. Wie sind deine Erfahrungen diesbezüglich und gehört Online-Marketing mittlerweile zwingend zu einer guten Marketing-Strategie dazu?

Ja, ich bin schon der Meinung, dass Online-Marketing ein zwingender Bestandteil einer integrierten Marketingstrategie sein muss. Aber das große Problem der kleinen Unternehmen ist die Zeit: Sie haben keine Zeit, sich da einzuarbeiten und aber leider oft auch nicht wirklich Geld, das an eine Agentur auszulagern. Und gerade beim Social Media Marketing bin ich sowieso der Meinung, dass man sowas gar nicht auslagern DARF, weil es sonst nicht mehr authentisch ist! Vor allem aber höre ich tatsächlich immer: „Aber ich habe doch keine Zeit, andauernd bei Facebook…“. deshalb geht es in meinen Vorträgen und Seminaren oft auch darum, wie man diese Sozialen Medien nicht nur effektiv (also mit möglichst viel Wumms) nutzt, sondern wie man sie auch effizient (also mit möglichst wenig Zeit und Geld) nutzt. da helfen dann schon solche Beispiele wie von dem Maler, der nachweislich einen Mehrumsatz von 360.000 €‚ im Jahr 2012 durch Social Media Marketing erzielt hat.

Und für viele ist das – und das darf unsereins und die ganzen Webworker, Designer, Grafiker, Mediengestlater etc. eben auch nicht vergessen – tatsächlich immer noch in weiten Teilen #Neuland! Auch wenn das gemerkel jetzt lustig klingt, aber ganz viele wissen doch einfach noch nicht, wie man die Online-Medien richtig nutzt! Das ist ja wie im klassischen Marketing: eigentlich weiß man da auch seit 30 Jahren wie es geht – und doch müssen immer wieder neue Bücher drüber geschrieben werden, weil es vielen Menschen nicht klar ist… Und bei den neuen und sich beständig wandelnden Online-Netzwerken ist das doch kein Wunder, dass da jemand, der eigentlich den ganzen Tag mit was anderem beschäftigt ist (zum Beispiel damit, Wasserrohre zu reparieren), gar nicht so schnell hinterher kommt mit den ganzen Entwicklungen.

Ich merke aber auch, dass vereinzelt und immer mehr und öfter findige kleine Unternehmer da ihre Nische finden, Spaß dran entwickeln, damit zu experimentieren und dann Erfolge erzielen. Und das spricht sich dann in der Branche langsam herum… Oder um es anders auszudrücken: Die Leute müssen ja auch noch was arbeiten – und in der verbleibenden Zeit können sie sich Stück für Stück damit auseinander setzen. Aber das dauert natürlich eine ganze Weile!

Du organisierst den Gründerstammtisch Nürnberg, eine gute Möglichkeit für Gründungswillige und diejenigen, die sich schon getraut haben, den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen, sich auszutauschen und voneinander zu lernen. Für alle Interessierten: Was erwartet sie dort? Und wo gibt es nähere Infos zu den einzelnen Terminen?

Der Gründerstammtisch ist für Existenzgründer und „Jungunternehmer“ gedacht – wobei mit „jung“ nicht das Alter sondern der Gründungszeitraum gemeint ist, also Menschen, die gerade oder in den letzten 5 Jahren gegründet haben. Grundgedanke dabei war, dass viele der Existenzgründer ja Einzelkämpfer sind und schnell  in so einer Tunnel landen: Alles, immer und jederzeit ist das Thema Selbstständig-Sein so präsent, man kann nur schwer abschalten. Und da dachten mein Kollege Jan Steinbauer und ich, es wäre doch schön, wenn man sich ab und an zusammensetzen und sich untereinander austauschen könnte. Das tut ganz einfach gut, wenn man merkt, dass man mit seinen Ängsten und Wehwehchen nicht allein ist, sondern dass es anderen Selbstständigen ebenso geht!

Ich habe ja relativ viele Existenzgründer als Kunden und so kam eben der Gedanke auf, diesen Gründern eine Plattform für ihresgleichen zu bieten: Dort kann man sich austauschen, Kontakte knüpfen, im Idealfall vielleicht Kooperationspartner finden und künftig zusammenarbeiten – Networking im schönsten Sinne eben…!

Infos finden sich übrigens auf der Seite des Gründerstammtischs unter www.gruender-nuernberg.de. Dort erfährt man die nächsten Termine, es gibt Fotos der letzten Stammtische etc.

Stefan, drei Geheimtipps bitte, die einen Gründer garantiert voranbringen.
Ha – schon wieder so ein Versuch! Naja, weil Du´s bist…    😉

Erstens: Nie alleine bleiben! Sich vernetzen, Kollegen, Kooperationspartner, Gleichgesinnte suchen. Ein eigenes Netzwerk ist das Wichtigste für einen Gründer, denn in den ersten Jahren passieren so viel Dinge, auf die man nicht vorbereitet ist oder mit denen man sich noch nicht auskennt – da ist es einfach essentiell, jemanden an der Seite zu haben, den man fragen kann.

Zweitens: Seinen Preis kennen und bis auf´s Blut verteidigen! Viele Gründer machen den Fehler, zu Beginn eher preiswert sein zu wollen, weil sie hoffen, dass sie dann schneller an Kunden kommen. Ein Riesenfehler, denn was sie sich damit ins Haus holen sind die Rabattjäger – keine wirklich guten Kunden von Bestand, denn das sind dann die Preisnomaden, die zur Konkurrenz weiter ziehen, sobald diese ein bißchen billiger ist!

Drittens: Authentisch bleiben! Es hat überhaupt keinen Sinn, vorzugeben etwas zu sein, was man nicht ist. Das sehe ich immer wieder bei Existenzgründern, die ich berate: Da wird versucht, mehr zu erscheinen als man ist – aber das rächt sich früher oder später! Anders herum wird ein Schuh daraus: Die Selbstständigkeit bietet die große Chance, mit Arbeit Geld zu verdienen, bei der man sich nicht verbiegen muss – das ist doch das Tolle an der Selbstständigkeit: Ich kann mich selbst und meine Leidensschaften verwirklichen und bin dabei mein eigener Chef!

8. Auf deiner Webseite machtfrisch.de betreibst du auch einen Corporate Blog mit vielen Marketing Tipps für Unternehmen. Und: du nutzt WordPress, da warst du mir gleich sympathisch 🙂 Wie findest du WordPress?

WordPress ist natürlich super! Ich arbeite mit meinen Kunden nahezu ausschließlich nur noch mit WordPress, weil es so einfach zu bedienen ist und sich meine Kunden damit sehr unabhängig machen können von anderen Dienstleistern! Ich selbst habe alleine 4 WordPress-Installationen laufen: 2 davon für Homepages und 2 für kleinere Projekte. Das ist ja so grandios daran: Wenn ich ein neues Projekt habe, läuft ein paar Stunden später eine WordPress-Installation für das Projekt…

Außerdem bildet es für mich selbst auch die Homebase für meine Social-Media-Aktivitäten in eigener Sache: auf meiner Homepage (die unter WordPress läuft) läuft letztlich alles zusammen, da wird immer wieder darauf verwiesen, sie ist der Kern und das Zentrum meiner Online-Strategie!

WordPress macht mich sehr unabhängig: Egal, wo ich bin – ich kann unkompliziert an meiner Homepage basteln…. Gerade jetzt in den Weihnachtstagen ist das wieder mal angesagt: Da muss ich wieder mal kräftig sauber machen und ein neues (und viel übersichtlicheres) Design ist auch mal fällig. Aber WO ich daran arbeiten werde, weiß ich ehrlich gesagt noch gar nicht. Vielleicht fahren wir ein paar Tage irgendwo ins Exil – so lange ich da ins Internet komme, kann ich ja mit wordpress arbeiten… das ist ja das Schöne daran!

Also ich kann es nur empfehlen!

Und was meine Homepage als solche angeht: Natürlich lade ich jeden Leser herzlich ein, da mal einen Blick darauf zu werfen! Es gibt da auch eine ganze Reihe an Checklisten und Arbeitshilfen als kostenlose Downloads. Und wer mir eine E-Mail an info@machtfrisch.de schickt, dem schicke ich gerne mein kleines E-Book „25 Marketing-Tipps für Selbstständige“ zu…

Vielen Dank Stefan, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Gründerstammtisch!

Ich danke Dir! Schön, dass wir uns auf dem Gründerstammtisch kennengelernt haben und jetzt hier schon die ersten Früchte reifen… Bis bald!

Anzeige